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Zollverein Park

Essen

DAS VERGESSENE NIEMANDSLAND
Die Geschichte des Zollverein Parks beginnt in den 1990er Jahren. Bis dahin war die über 100 ha große Fläche der Zeche und Kokerei Zollverein eine Landschaft, die man vergessen hatte. Ein von 140 Jahren intensiver industrieller Nutzung geschundenes Niemandsland, in dem Pflanzen und Tiere eher im Verborgenen blieben. Zollverein war gegenüber Eindringlingen gesichert: eine verbotene Zone im Stadtgefüge. Mit dem Ende der Kohle- und Koksproduktion begann die Natur zu arbeiten. Birken und Büsche, Stauden und Gräser, Farne und Moose überzogen das Areal innerhalb weniger Jahre mit einem immer dichter werdenden grün-bunten Teppich.

TRANSFORMATION
Seitdem wurde Zollverein einer einzigartigen Transformation unterzogen. Man entschied sich gegen den Abriss und folgte stattdessen dem Leitbild „Erhalt durch Umnutzung“. Zollverein wurde zum UNESCO Welterbe und auf Basis eines Masterplans mit Neubauten ergänzt. Während dieses bis heute andauernden Prozesses entstand fast beiläufig auch ein besonderer Park.
Der Zollverein Park ist einer der exponierten Standorte des Emscher Landschaftsparks, dem größten Regionalpark Europas. Er bietet einen für die Region beispielhaften Freiraum mit einer außergewöhnlich hohen floristischen wie faunistischen Diversität auf einem ehemals industriell genutzten Gelände. Er ist Ziel für die jährlich über 1,5 Mio. Besucher des UNESCO Welterbes Zollverein, aber auch alltäglicher Naherholungsraum für die Bewohner des urbanen Umfelds.

EINE NEUE ART VON LANDSCHAFT
Analog zum Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz folgt der Zollverein Park dem Leitbild „Entwicklung durch Pflege“. Die Landschaftsarchitektur bleibt zurückhaltend. Unser Umgang mit Zollverein basiert auf einigen Grundsätzen: Betonung des architektonischen Ensembles, Zurückhaltung in der Landschaftsarchitektur, Reduzierung der Elemente und Materialien, Respekt vor dem Bestehenden, Bewahrung des industriellen Ursprungs, Aneignung des Raumes durch die Besucher, Sichtbar- und Erlebbarmachung der Transformation vom hermetisch abgeriegelten Industrieareal zum öffentlichen touristischen Highlight.
Anstelle aufwändiger Neupflanzungen setzen wir auf den Umgang mit den vorhandenen Elementen der Vegetation. Das Zollverein-Areal besitzt eine herausragende Stellung für die Phytodiversität im Ruhrgebiet. Die Vegetation des Zollverein Parks hat sich zunächst von allein in einer verbotenen und vergessenen Zone des Stadtgefüges entwickelt. Das Niemandsland wurde vorsichtig geöffnet, dem Besucher bietet sich eine neue Art von Landschaft. Diese Landschaft folgt ihren eigenen, „natürlichen“ Gesetzen, wird durch die Besucher aber auch beeinflusst und verändert. Die Besucher machen die Landschaft zum Park. Der Park verändert sich mit dem Wachsen der Vegetation, er wird durch die Pflege entwickelt.
Die extensive gärtnerische Pflege der Sukzessionsvegetation respektiert die strukturelle Artenvielfalt und komponiert ein Landschaftsbild, das den industriellen Zusammenhang deutlich aber selbstverständlich hervorhebt. So bietet der Zollverein Park mit artenreichen Wiesen, weitläufigen Hochstaudenfluren, wechselfeuchten Senken und „wilden Industriewäldern“ einen für die Besucher vielschichtig interpretierbaren Landschaftsraum, der die historischen Entwicklungen bewusst und glaubwürdig einbezieht und zukünftigen Entwicklungen eine Oberfläche bietet.

ENTWICKLUNG DURCH PFLEGE
Auf der Grundlage eines detaillierten und ständig fortgeschriebenen Parkpflegewerks wird aus dem variablen Potenzial der Spontanvegetation langfristig ein sich ständig verändernder Park modelliert. Das dynamische Parkpflegewerk basiert auf einer detaillierten Biotoptypenkartierung und dem daraus formulierten ökologischen Entwicklungskonzept. Eine intensive ökologische Baubegleitung stellte während der Bauphasen jederzeit den Ausgleich der nutzungsbedingten mit den ökologischen Interessen sicher. Die laufende Fortschreibung des Parkpflegewerks und die fachliche Betreuung der Pflegearbeiten gewährleisten eine Ausführung, die den tatsächlichen örtlichen Gegebenheiten im Sinne des ökologischen Entwicklungskonzeptes gerecht wird.


Der Hain im Gleisboulevard. Die Transformation erlebbar machen. © Claudia Dreyße, Planergruppe Oberhausen, 2013


Weiher im Skulpturenwald. Die Besucher machen die Landschaft zum Park. © Claudia Dreyße, Planergruppe Oberhausen, 2014


Gesamtplan Zollverein Park © Planergruppe Oberhausen, 2016


Der Gleisboulevard. Rückgrat im Erschließungssystem des Zollverein Parks. © Claudia Dreyße, Planergruppe Oberhausen, 2013


Die Ringpromenade. Gut vier Kilometern lang verläuft sie durch das Gelände und umschließt den Kern von Zollverein. Sie bindet die vier Teilareale Schacht 1/2/8, Schacht XII , Kokerei und Skulpturenwald zu einer Einheit zusammen. © Claudia Dreyße, Planergruppe Oberhausen, 2013


Die Landschaftsarchitektur bleibt zurückhaltend, das industriearchitektonische Enseble wird betont. © Claudia Dreyße, Planergruppe Oberhausen, 2014


In der Mitte des Parks. Aussicht von der neuen Plattform auf der Brücke 4 zur Kokerei. © Claudia Dreyße, Planergruppe Oberhausen, 2014


Schaukel am Mannschaftsgang. © Claudia Dreyße, Planergruppe Oberhausen, 2014


Herzlich Willkommen! Pförtner in neuen Pavillons begrüßen die Besucher auf Zollverein. © Claudia Dreyße, Planergruppe Oberhausen, 2014


Die Aussichtstreppe im Nordwesten des Parks gehört zu den neuen Informationspavillons. © Claudia Dreyße, Planergruppe Oberhausen, 2014


Entwurfsverfasser
Thomas Dietrich, Planergruppe GmbH Oberhausen

Mitarbeiter
Sascha Wienecke, Harald Fritz, Katja Schreiber, Andreas Hegemann, Melanie Rost


Fachplaner / Bauleitung
Kunst: Observatorium, Rotterdam
Orientierungssystem: F1rstdesign, Köln
Beleuchtung: Licht Kunst Licht, Bonn

am Bau beteiligte Firmen
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Auftraggeber | Bauherr
2005 bis 2014: NRW Urban GmbH, Dortmund treuhänderisch für die Stiftung Zollverein, Essen
seit 2015: Stiftung Zollverein, Essen

Bearbeitungszeitraum
2005 bis 2014; 2015 bis heute

Planungs- / Baukosten