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Neugestaltung Am Harras

München

Die Straße zum Platz!
Ziel des Entwurfs zur Neugestaltung des Harras war die Umwandlung einer Straßenkreuzung zweier Ausfallstraßen in einen Stadtplatz mit hoher Aufenthaltsqualität. Hierzu wurde aus einem bestehenden mehrspurigen Kreisverkehr ein attraktiver Quartiersplatz mit stadtfunktionalen Qualitäten für die Anwohner geschaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde der bestehende Kreisverkehr durch einen dreiarmigen Knotenpunkt im südlichen Bereich des Harras ersetzt, die raumgreifenden Verkehrsräume wurden ohne Qualitätseinbußen für den motorisierten Individualverkehr auf ein Mindestmaß komprimiert, um den frei werdenden Raum als qualitätsvollen öffentlichen Raum den Anwohnern und Nutzern zur Verfügung zu stellen.

Verkehrskonzept der direkten und kurzen Wege!
Die Verkehrsführung auf dem Harras wird in einem dreiarmigen Knotenpunkt mit Lichtsignalregelung zusammengefasst. Dadurch wurde die unübersichtliche Situation mit der Auflösung in verschiedene Teilknoten vereinfacht und räumlich konzentriert. Die Planungen ging aus Prinzipskizzen hervor, die im Vorfeld des Workshops 2002 zur Ermittlung der Rahmenbedingungen erstellt wurden.
Der Verkehrsfluss für den motorisierten Individualverkehr entspricht nach dem Umbau auch dem Verkehrsfluss der ehemaligen Verkehrslage des Kreisverkehrs. Jedoch hat sich die Qualität und das Verhältnis Verkehrsfläche zu Fußgängerraum zu Gunsten der Aufenthaltsflächen für Passanten und Anwohner umgekehrt: von 8.112 qm Vehrkehrsfläche zu 5.734 qm Fußgängerraum stehen den Anwohnern Sendlings heute fast 8.445 qm qualitativ gestalteter Freiraum für unterschiedlichste Nutzungen zur Verfügung.
Die Neuorganisation der U-Bahnausgänge führt zu einer einfacheren und direkteren Wegeführung. Verbindungsgänge und Tunnel wurden zugunsten der oberirdischen Fußgängerführung abgebrochen. Die neue großzügige Platzfläche ermöglicht einen einfachen direkten Zugang zur U-Bahn ohne den Autoverkehr kreuzen zu müssen. Die wenigen benötigten Überwege für Fußgänger sind so kurz wie möglich angelegt und kompakt zusammengefasst und die Bushaltestellen finden sich in direkter Nachbarschaft zu den U-Bahneingängen.

Ein Ort zum Verweilen
Der Harras wird durch einen lichten Baumhain der vorhandenen Platanen mit punktuellen Ergänzungen geprägt. Die Platanen werden sukzessive aufgeastet, um die visuellen Sichtbezüge und die Orientierung zu verbessern. Sie markieren die räumlich einheitlichen, leicht aufgekanteten zentralen Platzflächen.
Eine freie und offene Gestaltung unter dem lichten Gründach lässt die wichtigen räumlichen Beziehungen erlebbar werden und schafft die visuellen Verbindungen zwischen den funktional bedeutenden Einrichtungen und Teilorten des Gesamtraumes. Durch sein lichtes Baumdach in Kombination mit der offenen Platzfläche erhält der Harras seinen grünen, urbanen Charakter und schafft großzügige Wegebeziehungen und eine hohe Aufenthaltsqualität an diesem zentralen Ort.

Die Platzflächen sind aus einem einheitlichen Dolomit-Plattenbelag gestaltet. Die topografischen Kanten der Platzflächen werden aus dem Plattenbelag der Bürgersteige gebildet. Die Baumscheiben gliedern und strukturieren den homogenen Belag.
Auf der zentralen Platzfläche bilden zwei besondere Sitzelemente und der Harras-Brunnen, ebenfalls mit Sitzrandeinfassung, einen räumlichen Schwerpunkt zwischen der großzügigen Veranstaltungsfläche um den U-Bahn Eingang und der, den gründerzeitlichen Fassaden vorgelagerten, Geschäftszone mit Außengastronomie.

Prozess der gelungenen Kooperation
Nach dem Realisierungswettbewerb 2007/2008 entstanden 2009 die ersten Vorplanungen. Eine erneute Bürgerbeteiligung 2009 nahm weitere Wünsche und Anregungen der Bürger in die Entwurfsplanung auf, die im Juli 2010 durch den Stadtrat beschlossen wurden. Neben der Platzgestaltung stand eine klare und übersichtliche Gestaltung der Verkehrswege im Vordergrund. Platzraum und Verkehrsraum sollten als Gesamtheit einen hochwertigen, eindeutigen und übersichtlichen Stadtraum der Bewegung und des Aufenthalts schaffen. Wo früher 3-spurig der Verkehr tobte, stehen nun Caféhaustische in der Sonne.


Lageplan aus dem Wettbewerb. © bbz landschaftsarchitekten


Prinzipskizze zur Verkehrsplanung: Bestand-links, Neuplanung-rechts . © bbz landschaftsarchitekten


Neugestaltete Verkehrsführung am Harras. © Stefan Müller, Berlin, 2014


Neue Platzfläche vor den gründerzeitlichen Fassaden am Harras. © Stefan Müller, Berlin, 2014


Radiola-Eck im Norden - ein schattiger Ruheplatz. © Stefan Müller, Berlin, 2014


Brunnen und Fontänenspiel mit Sitzauflage. © Stefan Müller, Berlin, 2014


Der neue Quartiersplatz, dessen Stadtmobiliar -Brunnen und Bänke- eigens mitentwickelt wurden. © Stefan Müller, Berlin, 2014


Dolomit-Pflasterbelag, Baumscheibe und angrenzender Fahrradweg bilden eine homogene Oberflächengestaltung. © bbz landschaftsarchitekten, 2014


Platzfläche vor dem denkmalgeschützten Postgebäude auf der Südseite des Harras. © bbz landschaftsarchitekten, 2014


Lebendiger Stadtplatz vor historischer Fassade. © bbz landschaftsarchitekten, 2014


Entwurfsverfasser
bbz landschaftsarchitekten

Mitarbeiter
Timo Herrmann, Ellen Kallert, Malte Stellmann, Wieschen Siewers, Lars Bauer

Philipp Koch, Atelier PK Architekten

Mitarbeiter
Moritz Behrens, Philipp Keiss


Fachplaner / Bauleitung
Planung Verkehrsanlagen (LPH 5-7)
Ingenieurbüro Schönenberg + Partner, München
Bauüberwachung
Ingenieurbüro Haas, Gräfelfing

am Bau beteiligte Firmen
Abenstein Straßen-, Tief- und Pflasterbau, Gersthofen


Auftraggeber | Bauherr
Landeshauptstadt München
vertreten durch das Baureferat

Bearbeitungszeitraum
2008-2013

Planungs- / Baukosten
3,6 Mio €