Bitte warten Sie.
Ihre Datei wird zum Server gesendet.


Bürger- und Familienpark

Oelsnitz/Erzgebirge

Linie in der Landschaft – Der Bürger- und Familienpark Oelsnitz/Erzgebirge

Der neue 15 ha große Park entstand auf einem ehemaligen Kohleverladebahnhof mit großartiger Aussicht über die Erzgebirgslandschaft. Die lineare Struktur des Bahnplateaus wurde aufgegriffen, ebenso die vorgefundene Spontanvegetation, sowie Relikte der vormaligen Nutzung und historische Gebäude, um aus dem Ort heraus einen neuen Landschaftspark zu entwickeln und ihn mit großzügigen Blickbezügen in die Landschaft einzuweben. Artenreiche und standortangepasste Stauden- und Wiesenmischungen und die Integration von Naturschutzflächen schaffen einen Park mit hoher Diversität, das Erbe der Bergbaulandschaft bleibt sichtbar und wird mit heutigen Nutzungsansprüchen verknüpft

DIALOG mit der LANDSCHAFT
Der Park folgt einem langen, schmalen Bahnkörper am Rand der Ortslage Oelsnitz/Erzgebirge. Im Westen durch lockere Bebauung und die in Betrieb befindliche Bahnlinie begrenzt, geht der Park im Osten in die weite Landschaft des Erzgebirgsvorlandes über. Aus dieser topographisch besonderen Lage wird die „Linie in der Landschaft“ entwickelt, mit einem längs durchgehenden Hauptweg, der sich immer wieder zu Punkten mit Weitblick in die Landschaft hinbewegt. Einer dieser Punkte ist der „Erzgebirgsbalkon“. Von hier schaut man über die historische Kulturlandschaft des Vorerzgebirges mit ihren alten Teichanlagen und Halden.
Neben der Längsverbindung wird die Grundstruktur durch eine Querverbindung gebildet. Diese reagiert auf die bestehende topografische Situation mit der Ausbildung von Terrassensituationen, deren Gestaltung die lokale Praxis der Ausformulierung von Teichterrassen reinterpretiert. Die Querstruktur verbindet durch Wege- und Blickbeziehungen die drei Landschaftstypen der Bergbaulandschaft mit Halde und Glückaufturm, der Bahnlandschaft auf dem künstlichen Plateau mit trocken-warmen Gleisgärten und der Teichlandschaft mit wertvollen Feuchtwiesenbeständen bis in die landwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaft hinein.
DIVERSITÄT und DYNAMIK
Das Vegetationskonzept zoniert den Park in einen zentralen intensiv genutzten und mit Prachtstauden, Ziergehölzen und herausgehobenen Solitärbäumen bepflanzten Bereich um den Erzgebirgsbalkon, sowie in weite Bereiche mit pflegeextensiven und standortangepassten Vegetationsbildern, in die auch die typische Brachenvegetation eingebunden wurde.
Die Pflanzenverwendung orientiert sich an den unterschiedlichen teils extremen Standortbedingungen und bindet die bestehende Spontanvegetation und vielfältige Biotopstrukturen gestalterisch ein.
Ziel ist es, einen Prozess der Vegetationsentwicklung anzustoßen, der standortangepasste, pflegeextensive und gestalterisch abwechslungsreiche Vegetationsbilder mit einer hohen Biodiversitätsdynamik hervorbringt.
In den trockenen Gleisgärten sind Wildstauden mit den Themen „Steppe und Prärie“ zwischen die Gleise gepflanzt, charakteristische Baumgruppen der Spontanvegetation wurden erhalten und freigestellt. Die zentrale "Große Wiese" wurde als artenreiche Wildblumenwiese entwickelt. Nach der Vegetationsaufnahme wurde hier eine standortangepasste Saatmischung aus Regiosaatgut ausgebracht. In der Teichlandschaft wurden Wildstaudenmischungen für Uferbereiche und schattige Auwaldsituationen angelegt. Die Wildstauden bieten eine große Artenvielfalt und vielfältige Blühaspekte von April bis Oktober.
ERZÄHLTE GESCHICHTE
Der neue Park ist stark geprägt durch seine vormalige Nutzung als Güterbahnhof und die Zeit nach der Stilllegung, in der sich eine typische Brachenvegetation entwickelt hat. Die Relikte aus dieser Zeit sind ein wichtiges Gestaltungselement und erzählen von den Zeiten des Bergbaus, aber auch von Niedergang und Verfall. So wurde der überwiegende Teil der vorgefundenen Gleise in die Gestaltung integriert, aus dem wilden Birkendickicht wurden prägnante Baumgruppen und Einzelbäume herausgeschnitten. Gebäude wurden renoviert und umgebaut und bleiben in Nutzung, typische und weithin sichtbare Bahnleuchten wurden erhalten. Im Zauneidechsenhabitat entlang der in Betrieb befindlichen Bahnanlagen wurden nur minimale Eingriffe vorgenommen, hier wird der Zustand vor der Umgestaltung noch nachvollziehbar, der Park erzählt ein Stück Geschichte.


Lageplan aus dem Wettbewerbsentwurf © Station C23, 2011


Linie in der Landschaft - Ideenpiktogramm aus dem Wettbewerb © Station C23, 2011


Blick über die Teichlandschaft zum Glückaufturm © medial mirage, Station C23, 2015


Erzgebirgsbalkon - Blick über das Parterre und die Teichlandschaft © medial mirage / Station C23, Station C23, 2015


Gleisgärten im Juni © medial mirage, Station C23, 2015


Wildstauden in den Gleisgärten, Aspekt "Steppe" © medial mirage, Station C23, 2015


Gleisgärten im August, Blühaspekt Prärie © medial mirage, Station C23, 2016


Große Wiese –eine artenreiche Wildblumenwiese © medial mirage, Station C23, 2014


Teichlandschaft mit Wildstauden und Auwald © medial mirage, Station C23, 2014


Trockenmauer am Hauptweg mit Zauneidechsenhabitat © medial mirage, Station C23, 2014


Entwurfsverfasser
Sigrun Langner, Rudolph Langner – Station C23 – Architekten und Landschaftsarchitekten

Mitarbeiter
Entwurfsverfasser:
Sigrun Langner und Michael Rudolph

Entwurfsverfasser Pflanzplanung Wildstauden:
Heiner Luz
Entwurfsverfasserin Pflanzplanung Prachtstauden:
Petra Pelz

Mitarbeit im Büro Station C23:
Robert Bode (Bauleitung)
Susann Morgenstern
Maria Möser
Beatrice Puschkarski

Mitarbeiter im Büro LUZ:
Patrick Putzig
Johann Dresler

Vegetationsaufnahme und Dokumentation: Heike Sichting


Fachplaner / Bauleitung
Planung Wiesenmischungen: Matthias Stolle
Tragwerksplanung: Reiser + Schlicht, Weimar
Skateanlage: arbeitsgruppe architekten, Leipzig

am Bau beteiligte Firmen
Fachcenter Garten und STL-Bau, Hauptmannsgrün
Techno Farm, Adorf b. Chemnitz


Auftraggeber | Bauherr
Stadt Oelsnitz/Erzgebirge

Bearbeitungszeitraum
2011 bis 2015

Planungs- / Baukosten
7 Mio. Euro