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Rheinboulevard

Köln Deutz

Wenn Sie mit der Bahn nach Köln einfahren und dabei die Hohenzollernbrücke über den Rhein passieren, erblicken Sie seit vergangenem Jahr direkt am rechten Rheinufer eine spektakulären Ufertreppe. Dieses Bauwerk ist Teil des Projektes „Rheinboulevard“, das den Stadtteil Deutz nachhaltig verändern wird.

Ausgangspunkt war ein europaweit ausgelobter, zweiphasiger Planungswettbewerb der Stadt Köln im Rahmen des nordrheinwestfälischen Städtebauförderungsprogramm „Regionale 2010 Köln/Bonn“, den PLANORAMA Landschaftsarchitektur im September 2007 für sich entschied.
Mit dem Wettbewerb ergriff die Stadt Köln die einmalige Gelegenheit, das bisher aus dem Stadtgebiet heraus und an den Rand gedrängte rechtsrheinische Ufer mit dem Stadtkern zu verbinden und den bisher als Grenze betrachteten Rhein zukünftig in die Mitte zu nehmen.

EINE GROSSE GESTE
Um dies zu erreichen wagte PLANORAMA den Vorschlag einer großen Geste: der Rhein sollte über eine Stufenanlage im Zentrum der Stadt endlich auf großer Länge zugänglich gemacht werden. Und obwohl die Ausloberin ein solches Bauwerk in der Uferböschung nie intendiert hatte überzeugte der Entwurf die Jury und die Politik.
Mit einem Gesamtvolumen von ca. 24 Mio. EUR ist nun nach etwa 8 Jahren Planungs- und Bauzeit auf einer Fläche von 2 ha ein modernes städtisches Bauwerk entstanden, das vis-à-vis des Weltkulturerbes mit Dom und Altstadt den Kölnern und ihren Besuchern völlig neue Qualitäten am zuvor nicht zugänglichen Rheinufer beschert.

DAS RHEINUFER WIRD ZUGÄNGLICH
Kern des Entwurfes ist die 500 Meter lange Ufertreppe, die sich zwischen Hohenzollernbrücke und Deutzer Brücke aufspannt. Etwa 10.000 Menschen können auf der Treppe Platz finden.
Die Treppe überwindet einen Höhenunterschied von etwa 6 m und ist gegliedert in großzügige Sitzstufen, die von einem mittleren und einem unteren verbreiterten Podest strukturiert werden. Laufstufenbereiche fügen sich an drei Stellen in die Anlage ein und ermöglichen den schnellen Auf- und Abstieg. Unterbrochen werden die linearen Stufenstrukturen von drei „Bastionen“, die sich mit unterschiedlicher Länge als balkonartige Austritte in die Treppe hinein schieben. Am nördlichen und südlichen Ende garantieren Rampen eine barrierefreie Erschließung auch der unteren Podestebene am Wasser. Landseits schließt sich der eigentliche, im Mittel 10 Meter breite Boulevard als direkte und schnelle Wegeverbindung für Fußgänger und Radfahrer in Nord-Süd-Richtung an.

EIN GROSSVORHABEN ZWISCHEN HOCHWASSER UND ARCHÄOLOGIE
Die Erschließung des zuvor nicht zugänglichen Rheinufers war eine sehr komplexe Planungsaufgabe; umfangreiche Anforderungen an den Hochwasserschutz mussten berücksichtigt werden. Da das gesamte Bauwerk im Hochwasserbereich eines 100-jährigen Überschwemmungsereignisses liegt, kann es komplett überflutet werden.
Eine besondere Herausforderung und gleichsam Bereicherung bildeten auch die zahlreichen archäologischen Funde im Baufeld, die ca. 2.000 Jahre Stadtgeschichte lebendig vor Augen führen und zahlreich sichtbar in die Neugestaltung integriert wurden. Dadurch ergeben sich spannungsvolle Brüche zwischen Neu und Alt.

Für die Vermittlung des Großvorhabens wurden mehrere Bürgerbeiteiligungsverfahren für Interessierte und Anrainer mit gemeinsamen Planungsworkshops durchgeführt. Im Juli 2015 wurde die Ufertreppe in einem Festakt eröffnet und ist seither ein stark frequentiertes und beliebtes Ziel der Kölnerinnen und Kölner sowie für die Besucher der Stadt. Die Eröffnung des Boulevards erfolgte Ende 2016.


Rheinboulevard Detail Basaltverkleidung Bastion © Hanns Joosten, 2015


Rheinboulevard Detail Sitzstufen © Hanns Joosten, 2015


Rheinboulevard Ausblick Bastion © Hanns Joosten, 2015


Rheinboulevard Köln Deutz © Hanns Joosten, 2015


Blick auf den Rheinboulevard von der Kölner Altstadt © Hanns Joosten, 2015


Rheinboulevard Lageplan © Planorama Landschaftsarchitektur


Rheinboulevard Lageplan Wettbewerb 2007 © Planorama Landschaftsarchitektur, 2007


Das Rheinufer vor seiner Umgestaltung © nicht bekannt, 2008


Entwurfsverfasser
Maik Böhmer, Planorama Landschaftsarchitektur

Mitarbeiter
Katja Erke | Ulf Schrader | Sebastian Meyer | Marleen Krüger | Mareike Knocke


Fachplaner / Bauleitung
Markus Loh | Sebastian Meyer

am Bau beteiligte Firmen
- - -


Auftraggeber | Bauherr
Stadt Köln - Amt für Landschaftspflege und Grünflächen
Willy-Brandt-Platz 2
50679 Köln

Bearbeitungszeitraum
2008 bis 2016

Planungs- / Baukosten
24.000.000 EUR