Bitte warten Sie.
Ihre Datei wird zum Server gesendet.


Ripple Park

Visbek

Die vorhandene Topografie des Ortes wurde im Entwurf aufgegriffen, um die Kulturgeschichte neu zu interpretieren und einen Dialog zwischen moderner Landschaftsarchitektur und vorgefundenen Schichten der Umgebung herzustellen.
Die Parkanlage in der weiten Ebene im Oldenburger Münsterland wurde durch die Weiterführung des Gestaltungsmittels von bestehenden historischen Grenzwällen – als Abgrenzung zu den landwirtschaftlichen Flächen – als eine Schicht weiterentwickelt. Der Eichenbestand der weiträumigen Parkanlage war in eine 2 ha große Fichtenaufforstung eingewachsen und wurde behutsam als weitere Schicht freigelegt. Die Lage der „Ripples“ wird durch den Baumbestand gelenkt und definiert in dieser Verbindung die gesamte Parkanlage.

Das Oldenburger Münsterland ist eine landwirtschaftlich geprägte Region in Niedersachsen, Norddeutschland. Die Bauaufgabe war, die Ländereien, die das historische Gutshaus des Familiensitzes arrondieren, in eine großzügige Parklandschaft umzuwandeln.
Dabei fiel auf den ersten Blick eine zwei Hektar große Fichtenaufforstung aus den 70er Jahren ins Auge, welche den gesamten östlichen Bereich vor dem Gutshaus belegte. Auf den zweiten Blick konnte man jedoch, eingewachsen in diesen dichten Fichtenforst, einen sehr schönen Bestand an mächtigen Eichen erkennen. Die Wegnahme des Fichtenforstes und damit die Freilegung des historischen Eichenbestandes waren die ersten Umsetzungsschritte in der Umwandlung.
Neben der Freilegung der wertvollen Baumschicht wurde ein weiteres „wiedergefundenes“ Element ein wichtiger Anknüpfungspunkt für das weitere Vorgehen: In direkt anschließenden Bereich des Grundbesitzes, der von der Flurbereinigung der 60er und 70er Jahre nicht betroffen war, konnte man noch sehr deutlich historische Grenzwälle ablesen: diese linearen Grenzbezeichnungen stammen in der Region um Visbek aus dem 18. und 19. Jahrhundert und sind bereits in der Urkarte als knie- bis hüfthohe Wälle vermessen. Die thematische Weiterführung und räumliche Neuinterpretation der entdeckten Wälle wurde zu einem wichtigen Gestaltungsmittel in der Bodenschicht weiterentwickelt: als Abgrenzung zu den umgebenden landwirtschaftlichen Flächen sowie zur räumlichen Konzentration der zentralen, tieferliegenden Rasenschüssel. Die Wälle mit ihrem graduierten Höhenverlauf wurden zwischen den Eichenbestand gelenkt um die empfindlichen Eichenwurzeln nicht zu verletzen. Daher generierten wir mit Hilfe digitaler Werkzeuge (fluide Strömungssimulation) die exakte Lage der Ripplelinien. Das Fluid-Modul ist Bestandteil der 3D Software Maya. Ausgehend von den Vermesserdaten mit der Verortung des Baumbestandes konnten wir das Entwurfskonzept digital simulieren und in der Bauphase vor Ort übertragen. Der „Ripple Park“ erhält seine reduzierte Form durch zwei starke, dreidimensional wirksame Elemente: alter Großbaumbestand und die Wiederentdeckung der Topographie in der zeitgenössischen Landschaftsarchitektur.


Ripple am Rand der Rasenschüssel zwischen dem Eichenbestand © Wolfgang Schück, LOMA, 2012


Im Bereich hinter dem Wohnhaus sind Rasenstufen elegant in den Hügel eingefügt. © Wolfgang Schück, LOMA, 2012


Die Auslichtung des alten Eichenbestandes erlaubt neue Blicke in die umgebende Landschaft. © Wolfgang Schück, LOMA, 2012


Die Schichten der "Ripple" und Eichen. © Wolfgang Schück, LOMA, 2012


Lageplan © LOMA, 2012


Übersichtsplan mit Lage der "Ripples" und Beziehung zu den Baumstandorten in der Parkanlage. © LOMA, 2011


Längsschnitt durch die Parkanlage mit Blick auf Wohnhaus und Remise © LOMA, 2011


Entwurfsverfasser
LOMA architecture.landscape.urbanism

Mitarbeiter
Wolfgang Schück
Petra Brunnhofer
Ilija Vukorep
Hanna Stiller
Sabrina Campe


Fachplaner / Bauleitung
Architektur: Reichel Architekten, Kassel

am Bau beteiligte Firmen
Garten- und Landschaftsbau Conrad Meyer-Hemmelsbühren, Cloppenburg


Auftraggeber | Bauherr
private Familienstiftung

Bearbeitungszeitraum
2009-2012

Planungs- / Baukosten
1,5 Mio. Euro