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Wohnanlage Theresienstraße

München

Die Wohndichte erhöhen und dabei hochwertige Freiflächen entwickeln, dieser scheinbare Widerspruch muss in zentralen Lagen oft aufgelöst werden – auch auf dem ehemaligen Werksgelände des Kameraherstellers Arri in der Maxvorstadt. Hier wurden insgesamt 117 neue Wohnungen gebaut. Im Dialog mit der zur Straße hin ergänzten und dadurch geschlossenen Bebauung nutzen die von Palais Mai Architekten entworfenen Baukörper die Fläche des Innenhofs im Sinne einer innerstädtischen Nachverdichtung. Anordnung, Form und die abgestuften Höhen der Stadthäuser wirken sich nicht nur positiv auf die Lichtverhältnisse und Privatsphäre der Wohnungen aus. Auch die Freiflächen profitieren von vielfältigen Perspektiven und wechselnden Raumabfolgen. Dass diese nachhaltig und multifunktional genutzt werden müssten, war angesichts von rund 4.500 qm voll unterbauten Freifläche klar. Planen und Bauen im Detail ist bei dieser Ausgangslage keine Spielerei, sondern unbedingt nötig. Wo es keine Weitläufigkeit geben kann, wird nichts übersehen.

DEN FUGEN FOLGEN
Die Wege durch den Freiraum weiten sich zu Plätzen, werden wieder schmaler und führen in den nächsten Hof. Sie gewährleisten die erforderliche Bewegungsfreiheit für Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge, bei reduzierter Versiegelung: Die organische Form des Pflasters ermöglicht einen spielerischen und lebendigen Umgang mit den Fugen: Von intensiv genutzten und mit Splitt verfugten Zwischenräumen vermitteln Rasenfugen als grünes Netz zur Vegetation. Der Wechsel von Splitt- zu Substratfugen unterstützt diese natürliche Dynamik: Wo wenig gelaufen wird, darf und soll sich das Grün etablieren.

VIELE FUNKTIONEN AUF KLEINER FLÄCHE
Höhenunterschiede gliedern die Freiräume, ohne sie zu zerteilen und werden angesichts der begrenzten Fläche multifunktional überwunden: Den Sprung zwischen Hoffläche und südlichem Gartenbereich fängt ein als Stützmauer dienendes Sitzelement ab. Doppelrollen nehmen auch die Tiefgaragenlüftungen ein. Sie werden optisch kaum als solche wahrgenommen, da sie zu Sitzgelegenheiten überformt sind. Die wohnungsnah, auf den Hofplätzen untergebrachten Kleinkinderspielplätze stehen einer Kindertagesstätte zur Verfügung und werden somit nachhaltig genutzt.

DIE BOTANIK IM BLICK
Zwischen halböffentlichen und privaten Bereichen werden keine harten Abgrenzungen formuliert. Grün ist hier eine Konstante, die sich als Pflanzensaum um die Gebäude legt, zu den privaten Terrassen aufweitet und sich weiter durch den halböffentlichen Raum zieht. Die unterschiedliche Höhenstaffelung der Pflanzen und das Augenmerk auf die vielfältigen Blattformen und Strukturen der Arten leitet den Blick auf dieses grüne Band: Hortensien, Gräser und Großstauden sind mittlerweile gut eingewachsen und lassen die Grenzen zwischen Pflanzflächen und Wegstrukturen verschwimmen. Höher und damit raumbildend sind die Kronen der charakteristischen Hofbäume, die stadtklimaverträglich gewählt wurden.

DETAILS AUF DEN DÄCHERN
Durch die abgestuften Höhen der Baukörper ließen sich großzügige, private Dachterrassen umsetzen. Um die Fläche der dortigen Aufzugsüberfahrten zu nutzen und gestalterisch aufzuwerten, wurden zu den Holzdielen der Terrassen passende Module entwickelt. Diese integrieren die Überfahrten in ein Loungemöbel, das die Funktionen von Sonnendeck, Sitzpodest und Sichtschutz in einem Element vereint. Darauf abgestimmt schützt die intensive Bepflanzung zusätzlich vor Blicken und lässt abwechslungsreiche, natürliche Freiräume entstehen.


Baubeginn © Jürgen Huber, 2014


Platzfläche zwischen den Gebäuden © Jürgen Huber, 2021


Lageplan © ghl, 2022


Wege durch grüne Höfe © Jürgen Huber, 2022


Ein Nacheinander von dichten und weiten Räumen ermöglicht immer neue Eindrücke © Jürgen Huber, 2022


Spielfläche mit multifunktionalen Elementen © Jürgen Huber, 2022


Ausschnitt Pflanzkonzept © ghl, 2021


Der grüne dichte Saum um die Erdgeschosszonen bietet größtmögliche Privatheit trotz komprimierter Nutzungsanforderungen © Jürgen Huber, 2022


Grüner Rahmen entlang privater Terrassen © Jürgen Huber, 2021


Private Terrasse mit intensiver Begrünung über den Dächern von München © Jürgen Huber, 2021


Entwurfsverfasser:innen
Jürgen Huber
grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner partnerschaft mbb

Mitarbeitende
Franziska Böhmert-Hartel
Sandra Sedlmeier
Felix Ziegler


Fachplanung / Bauleitung
Großberger Beyhl Partner Landschaftsarchitekten mbB

am Bau beteiligte Firmen
SE-Bau Landschaftsbau GmbH


Auftraggebende | Bauherrschaft
Instone Real Estate Development GmbH

Bearbeitungszeitraum
2013-2019

Planungs- / Baukosten
Baukosten: ca. 905.000 EURO (netto)